von Albert Oesau

                       Die Renaturierung von zwei Bachabschnitten
                                    bei Partenheim und Saulheim
                  (Verbandsgemeinde Wörrstadt, Rheinland-Pfalz)
                  und ihre Auswirkung auf Moose und Blütenpflanzen
                             (Kryptogamen und Phanerogamen)

Mit freundlicher Genehmigung des Autors
Herrn Albert Oesau:
OESAU: Die Renaturierung von zwei Bachabschnitten und ihre Auswirkung
und der
Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie, Rheinland-Pfalz e.V. (GNOR):
Fauna Flora Rheinland-Pfalz 12: Heft 2, 2012, S. 395-424. Landau


Inhaltsübersicht

Zusammenfassung
1. Einleitung
2. Die Untersuchungsgebiete
2.1 Mühlbach
2.2 Partenheimer Bach
2.3 Ergebnisse von Bodenuntersuchungen
3. Methoden
4. Ergebnisse
4.1 Moose der Untersuchungsgebiete
4.1.1 Mühlbach
4.1.2 Partenheimer Bach
4.2 Blütenpflanzen der Untersuchungsgebiete
4.2.1 Im Bereich des Mühlbachs
4.2.1.1 Das Renaturierungsgebiet
4.2.1.2 Das Vergleichsgebiet
4.2.2 Im Bereich des Partenheimer Bachs
4.2.2.1 Das Renaturierungsgebiet
4.2.2.2 Das Vergleichsgebiet
4.2.3 Artenlisten
4.3 Zusammenfassung
5. Diskussion
6. Dank
7. Literatur


Zusammenfassung
In den Jahren 2010 bis 2012 erfolgte in zwei renaturierten Bachabschnitten bei Saulheim und Partenheim eine Erhebung der Kryptogamen- und der Phanerogamenflora. Ziel war die Erfassung der Auswirkungen der Renaturierungsmaßnahmen auf Moose und Blütenpflanzen, wobei zum Vergleich der renaturierten Bachabschnitte angren­zende, nicht renaturierte Bachabschnitte dienten. Die Untersuchungen belegen ein­drucksvoll, dass die Renaturierung zu einer deutlichen Verbesserung des Makro­phytenbesatzes geführt hat. Standen in den nicht renaturierten Bereichen im Mittel 80 Blütenpflanzenarten, waren es in den renaturierten Abschnitten 181. Die Moosflora verhielt sich entsprechend: Im Mittel besiedelten 23 Moosarten das nicht renaturierte und 42 das renaturierte Gebiet. Von besonderer Bedeutung sind die Renaturierungs­maßnahmen für ein Kalkflachmoor am Partenheimer Bach, in dem neben einer Viel­zahl von Carex-Arten das vom Aussterben bedrohte Moos Campylium elodes siedelt, das dort seinen einzigen Standort in Rheinland-Pfalz hat. Artenvielfalt, Strukturreich­tum und Pflegezustand verweisen in den beiden renaturierten Bachauen auf einen guten ökologischen Zustand. In kleinen stehenden Gewässern scheint die Besiedlung mit Wasserpflanzen eine längere Zeit zu benötigen. 

 

1. Einleitung
Lange Zeit dienten Bäche in Rheinhessen ausschließlich zum Abtransport für Ab­wässer, wobei diese bei Mittel- und Niedrigwasser zu einem beträchtlichen Teil aus ge­reinigtem Kläranlagenablauf bestanden. Die Bäche konnten deshalb ihre Funktionen im Naturhaushalt nur eingeschränkt erfüllen. Die Gewässergüte hat sich aber in den letz­ten Jahren verbessert (KULTURAMT Worms 1997), allerdings ist sie immer noch durch­gängig gering (MINISTERIUM FÜR UMWELT UND FORSTEN 2000). In den 1990er Jahren setzte in Verbindung mit Hochwasserschutzmaßnahmen eine gezielte ökologische Ge­wässerentwicklung ein, nach der die monotonen Abwässergräben zumindest partiell ihrem natürlichen Zustand wieder angenähert werden, um einen guten ökologischen Zustand zu erreichen. In dem vorliegenden Bericht wird dieses Vorgehen anhand der Makrophytenvegetation von zwei kleinen renaturierten Bächen in der Verbandsge­meinde Wörrstadt untersucht. Grundlage waren Vorgaben der EG-Wasserrahmenricht­linie, die einen „guten ökologischen Zustand der Gewässer einschließlich der direkt vom Wasser abhängigen Landökosysteme“ fordert (BUNDESMINISTERIUM FÜR UMWELT, NATURSCHUTZ UND REAKTORSICHERHEIT 2011). Zusätzlich ist die nicht direkt vom Bachwasser abhängige Vegetation der renaturierten Gebiete Inhalt der Erhebungen. Zur Beantwortung der Frage nach der Effizienz der Maßnahmen diente in der vorliegenden Arbeit eine Gegenüberstellung der Artenvielfalt renaturierter Abschnitte mit angren­zenden nicht renaturierten Abschnitten (space for time-substitution). Dabei wird vor­ausgesetzt, dass die nicht renaturierten Abschnitte jeweils dem Zustand der renaturier­ten Abschnitte vor Durchführung der Arbeiten entsprachen.


2 Die Untersuchungsgebiete
Die beiden Untersuchungsgebiete liegen im Zentrum Rheinhessens im Nördlichen Oberrhein-Tiefland (Abb. 1). Das Klima ist gekennzeichnet durch geringe Nieder­schläge und hohe Jahresdurchschnittstemperaturen. So weist die in der Nähe liegende Wetterstation Wörrstadt-Rommersheim des Agrarmeteorologischen Messnetzes ein Jahresmittel von 10,0 °C und eine Niederschlagsmenge im Jahresdurchschnitt von 529 mm auf (Internet http:// www.am.rlp.de 2011). Die Wasserführung der beiden Bäche ist gering, sie können im Sommer bei unbeträchtlichen Niederschlägen auch trocken fal­len. Da nur wenige ältere Bäume mit entsprechenden Stammstärken vorhanden sind und diese überwiegend in lufttrockenen Lagen stehen, sind die Lebensbedingungen für epiphytische Moose ungünstig. Wichtige Standorte für Moose sind offene Teichränder und Lücken in Extensivgrünland. Bei dem zur Begrünung der Renaturierungsflächen verwendeten Pflanzgut handelt es sich nach Auskunft der Verbandsgemeindeverwal­tung Wörrstadt um Material unbekannter Herkunft. Da die gepflanzten Arten im Rah-
men der vorliegenden Erhebung nicht vollständig von den autochthonen Arten getrennt werden konnten, ist ihre Herkunft in den Artenlisten nicht gesondert ausgewiesen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 1: Lage der Renaturierungsgebiete Partenheimer Bach (1) und Mühlbach (2) in Rhein­hessen. Die Größe der Gebiete ist aus Darstellungsgründen nicht maßstabsgerecht ein­getragen.

 

2.1 Mühlbach

Der Mühlbach entspringt am Neunröhrenbrunnen in Wörrstadt an der Flanke einesHöhenrückens. Er durchfließt ein für die Gegend typisches Muldental und mündetnach 9,4 km bei Nieder-Olm in die Selz. Dabei fällt er von 212 m (Quelle) auf120 m ü. NN (Mündung) ab. Mit einem Einzugsgebiet von 23,7 km 2 istder Mühlbach das zweit­größte Nebengewässer der Selz (Auszug aus einerSchautafel im Renaturierungsge­biet). Die Länge des Untersuchungsgebietesbeträgt ca. 1,3 km, seine Gesamtgröße 20 ha (Abb. 2). Die Bauarbeiten derRenaturierung begannen 2004 und endeten 2008, wo­bei Rückhaltebecken fürStarkregen von insgesamt 10.000 Kubikmeter entstanden. Es folgte eine Pflanzungmit 67 Laubbäumen, 130 Weidenstecklingen, 356 Heistern, 440 Sträuchern, 21Streuobstbäumen und 550 Stauden (NN 2008).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 2: Blick in das Renaturierungsgebiet des Mühlbachs. Am Rande des Gewässers haben sich vor allem die Stickstoffzeiger Veronica beccabunga und Ranunculus repens ange­siedelt.

 

2.2 Partenheimer Bach
Der ca. 4 km lange Partenheimer Bach ist nach der gleichnamigen Ortsgemeinde Partenheim benannt, wo er auch entspringt. Die Quelle liegt in ca. 210 m Höhe. Von dort fließt der Bach unterhalb des Ortes zuerst durch das Renaturierungsgebiet, nimmt an seinem Ende einen Bach von Jugenheim auf, um dann als Saubach in ca. 108 m Höhe bei Stadecken-Elsheim in die Selz zu münden. Auf dem ca. 3 km langen und 30 bis 100 m breiten renaturierten Geländestreifen sind neun Flutmulden verteilt. Insge­samt hat das Gebiet eine Flächengröße von 32 ha, seine Fertigstellung fiel in das Jahr 2003 (Abb. 3).

2.3 Ergebnisse von Bodenuntersuchungen
Die Böden in beiden Untersuchungsgebieten sind landwirtschaftlichen Ursprungs und grundsätzlich sehr nährstoffreich (Tab. 1). Bei der stark davon abweichenden Fläche Nr. 5 stammt die Bodenprobe von einer tiefen Abgrabungsstelle eines Teich­ufers. Dort sind die pflanzenverfügbaren Phosphor- und Kaliumgehalte auf einem sehr geringen Niveau, es ist allerdings ein erheblicher Vorrat an pflanzenverfügbarem Ma­gnesium vorhanden. Die Vegetation an dieser Stelle blieb im Beobachtungszeitraum schwach und starb im Herbst frühzeitig ab. Um gegebenenfalls pflanzenschädigende Wirkstoffe im Boden nachzuweisen, bediente sich der Autor eines „Kressetests“ mit Boden eines Teichrandes mit normalem Pflanzenwuchs und zum Vergleich mit Boden der beschriebenen tiefen Abgrabungsstelle mit reduzierter Wuchsleistung. Die für den Test verwendete Kresse (Lepidium sativum) wuchs auf beiden Böden gesund heran, nur blieb sie auf letzterem Substrat erheblich kleiner. Es wird deshalb angenommen, dass der schwache Wuchs der Vegetation und ihr vorzeitiges Absterben an und in einigen Teichen nicht auf Schadstoffe, sondern auf das mangelnde Nährstoffangebot zurückzu­führen ist. 

Nr.Herkunft der BodenprobenCaCO3 %(in CAL)pH (in CaCl2)P2O5 mg/100g (inCAL)K2O mg/100g (inCAL)Mg mg/100g (in CAL)
1Partenheim, in einer Flutmulde am westlichen Ende19 
  
7,6234527
2Partenheim, natürlicher Bestand von Salix alba in der Mitte des Gebietes197,6343155
3Partenheim, Sumpfwiese am östlichen Ende des Gebietes197,6173355
4Saulheim, Teichufer mit kräftigem Wuchs der Wasserpflanzen12,37,3263828
5Saulheim, Teichufer mit schwachem Wuchs der Wasserpflanzen22,27,52650

Tab. 1: Ergebnisse von Bodenuntersuchungen in den renaturierten Gebieten bei Partenheim und Saulheim.
Entnahme der Bodenproben aus dem Ah-Horizont: Flächen 1 bis3 am 12. September 2011, 4 und 5 am 16. Dezember 2010.


3 Methoden
In den untersuchten Gebieten fanden Begehungen zu jeder Jahreszeit im Zeitraum vom Herbst 2010 bis zum Sommer 2012 statt. Sie erstreckten sich über die gesamten Renaturierungsflächen, eine Trennung zwischen bereits vorhandenen und durch die Renaturierungsarbeiten neu geschaffenen Lebensstätten erfolgte nicht. Die Bonituren liefen möglichst flächendeckend, wobei dichte Schilf- und Strauchbestände ausgespart blieben. Im Text zitierte technische Details stammen überwiegend aus Schaukästen, die in den Renaturierungsgebieten aufgestellt sind. Vor der Renaturierung der Gebiete er­folgten keine botanischen Erhebungen. Um jedoch Einblicke in die Effizienz der Maß­nahmen zu erhalten, fanden Bestandserhebungen der Flora an etwa gleich langen Strecken der Bäche unmittelbar unterhalb der Renaturierungsflächen statt. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Zustände dieser Abschnitte etwa denen der Renaturierungsge­biete vor den durchgeführten Maßnahmen entsprachen. Die Nomenklatur der Moose folgt KOPERSKI et al. (2000), die der Blütenpflanzen SENGHAS & SEYBOLD (2003). Bas­tarde in der Gattung Salix sind nicht getrennt ausgewiesen. Die Angabe der Gefährdung von Rote-Liste-Arten entstammt LUDWIG et al. (1996), die der Feuchtezahlen DÜLL (2001) bzw. ELLENBERG (2001) und die der Bedeckungsgrade BRAUN-BLANQUET (1964).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 3: Das Renaturierungsgebiet des Partenheimer Bachs ist eingebettet zwischen acker- und weinbaulich betonten Flächen.
 

4 Ergebnisse

4.1 Moose der Untersuchungsgebiete
In den überwiegend grünlandbetonten Bachauen der Renaturierungsgebiete spielen Moose nur eine untergeordnete Rolle. Auch die relativ schmalen und dicht bewachse­nen Streifen der Vergleichsgebiete bieten Moosen nur geringe Lebensmöglichkeiten. Ihr Auftreten in beiden Untersuchungsgebieten konzentriert sich unmittelbar auf die engen Bereiche der Bachufer und auf wenige Lücken des bewirtschafteten Grünlandes. Epiphyten sind von nachgeordneter Bedeutung. Alte Trägerbäume sind zwar vorhan­den, die windoffene Lage der schmalen Bachauen und die aufrechten Stämme älterer Bäume bieten bei den ohnehin geringen Niederschlägen kaum Siedlungsmöglichkeiten
 

4.1.1 Mühlbach
Das Renaturierungsgebiet am Mühlbach ist mit 39 Moosarten relativ reich besiedelt. Von besonderer Bedeutung ist ein kleines, im Rahmen der Renaturierungsarbeiten un­berührt gebliebenes Wäldchen am Oberlauf des Mühlbachs. Es ist lokal versumpft und ermöglicht einen gewissen Epiphytenbesatz der unteren Baumregion. Bemerkenswerte Arten sind dort Orthotrichum obtusifolium, Thamnobryum alopecurum und Ulota bru­chii.

Auffallend sind ferner die reichen Vorkommen von Didymodon tophaceus an Bö­schungen des Mühlbachs, die nicht in die Renaturierungsmaßnahmen fielen. Ausge­hend von diesen, hat die pionierfreudige Art schnell die feuchten Ränder der Teiche be­siedelt. Sie ist dort mit der seltenen und in ihrer Existenz gefährdeten Pottia davalliana vergesellschaftet, die in Rheinhessen gelegentlich auch auf feuchten bis nassen und of­fenen Böden im Rheintal und seinen Nebentälern zu finden ist. Bemerkenswert ist das nahezu vollständige Fehlen von Lebermoosen. Lediglich Marchantia polymorpha steht selten in einem nassen Bereich eines Teichufers. Der Mangel an Lebermoosen wird als eine Folge des xerothermen Klimas Rheinhessens und der damit verbundenen ungün­stigen Lebensbedingungen für diese Unterabteilung der Moose gewertet. Wie leber­moosfeindlich das Klima ist, lässt sich daran ablesen, dass DÜLL (1995) einen Leber­moosanteil an der Gesamtmoosflora einer Region von 25 % für normal hält, im Unter­suchungsgebiet sind es bei einem einzigen Lebermoos nur etwa 2 %.

Im Vergleichsgebiet siedeln aufgrund der dichten krautigen Vegetation mit 25 Arten weniger Moose als im Renaturierungsgebiet. Auf Steinen im Bach sind es sehr selten Platyhypnidium riparioides und Brachythecium rivulare, in Lücken der bachbegleiten­den Vegetation z. B. Bryum barnesii und Pohlia melanodon und an den Stämmen der Kanadischen Pappeln (Populus x canadensis) Orthotrichum affine und Orthotrichum diaphanum.

4.1.2 Partenheimer Bach
Am Partenheimer Bach sind Höhepunkte der Bryophytenvorkommen auf offenen Magerrasen und in einem Großseggen-Sumpf zu finden. In Lücken der Magerrasen siedeln z. B. die in ihrer Existenz gefährdeten Acaulon triquetrum und Phascum curvi­colle, im Großseggen-Sumpf sind es Brachythecium mildeanum, Rhynchostegium me­gapolitanum und Campylium elodes. Letztere Art ist nach MEINUNGER & SCHRÖDER (2007) ein Neufund für Rheinland-Pfalz und nach NEBEL & PHILIPPI (2001) eine Indi­katorart für wertvolle Moorgebiete. Für Deutschland ist die Art als stark gefährdet ein­gestuft (LUDWIG et al. 1996), wobei sie in den meisten Bundesländern vom Aussterben bedroht oder bereits verschollen ist (Abb. 4).

Typische Wassermoose sind in dem temporär trocken fallenden Bach und in den Tei­chen selten. Neben Brachythecium rivulare und Platyhypnidium riparioides gedeihen dort Amblystegium riparium, Cratoneuron filicinum und Drepanocladus aduncus. Auf­fallend ist, dass Didymodon tophaceus am Partenheimer Bach im Unterschied zum Mühlbach selten ist. Die Ursache sieht der Verfasser darin, dass die Ufer der Teiche in diesem Raum relativ steil angelegt sind und die hygrophile D. tophaceus auf dem sehr schmalen Uferstreifen nur wenige Möglichkeiten einer Ansiedlung findet. Erwähnt sei ferner, dass im gesamten Bereich des Renaturierungsgebietes Lebermoose offenbar vollständig fehlen. Wie auch am Mühlbach bei Saulheim ist dies auf das ungünstige xerotherme Klima zurückzuführen. Insgesamt ist das Gebiet mit 44 Moosen besetzt.

Das Vergleichsgebiet ist mit 21 Arten wesentlich artenärmer. Es ist weitgehend mit der Großen Brennessel (Urtica dioica) bestanden. Diese Art ist sehr konkurrenzstark und lässt zwischen sich kaum Moose gedeihen, eine typische Spezies für diesen Be­reich ist Eurhynchium hians. Hervorzuheben sind Didymodon acutus auf der Beton­mauer einer kleinen Brücke und Cratoneuron filicinum und Drepanocladus aduncus auf einigen Steinen am oder im Bach. Bei den weiteren Arten handelt es sich um Ubi­quisten.

In der Tab. 2 sind sämtliche in den Renaturierungsgebieten gefundenen Bryophyten aufgelistet und nach ihrem Vorkommen im Gefälle der Bodenfeuchtigkeit von trocken zu feucht geordnet. Hierbei fanden die von DÜLL (2001) aufgestellten Feuchtezahlen für Moose Verwendung. Die mit den Feuchtezahlen 1-4 zusammengefassten Arten gel­ten als Trockniszeiger, die Arten mit den Feuchtezahlen 5-9 als Feuchtezeiger. Die Trockniszeiger sind charakteristisch für bachferne, höher gelegene Regionen und für Besiedler von Steinen und Bäumen. Feuchtezeiger sind meistens jene Arten, die im un­mittelbaren Einflussbereich der Bäche stehen oder in ihnen leben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 4: Das Moos Campylium elodes ist vom Aussterben bedroht und hat am Partenheimer Bach seinen einzigen Standort in Rheinland-Pfalz (det. L. MEINUNGER).
 

Tab. 2: Moose der Renaturierungsgebiete Mühlbach und Partenheimer Bach, ihre Feuchtezah­len nach DOLL (2001) und Bedeckungsgrade nach BRAUN-BLANQUET (1956). Rote-Lis­te-Arten sind fett hervorgehoben.
(V = Vergleichsgebiet, R = Renaturierungsgebiet). 

1. TrockniszeigerFeuchtezahlen 1-4Mühlbach
Bedeckungsgrad V
Mühlbach
Bedeckungsgrad R
Partenheimer Bach Bedeckungsgrad VPartenheimer Bach Bedeckungsgrad  R
Acaulon triquetrum3---r
Amblystegium serpens41111
Barbula convoluta3-r--
Barbula unguiculata213+2
Brachythecium populeum3---r
Brachythecium rutabulum4211+
Brachythecium salebrosum4-r-r
Bryum argenteum0++rr
Ceratodon purpureus2++-r
Didymodon acutus1--r-
Didymodon fallax2-+-+
Grimmia pulvinata1r-rr
Homalothecium lutescens2---+
Hypnum cupressiforme4r1+1
Orthotrichum affine4r+r+
Orthotrichum diaphanum2r+11
Orthotrichum obtusifolium4-r--
Orthotrichum pumilum4---r
Phascum curvicolle3---r
Phascum cuspidatum var. cuspidatum4++++
Platygyrium repens4-r--
Pseudocrossidium hornschuchianum2rr++
Pterygoneurum ovatum3-r-
Schistidium apocarpum3r--r
Tortula muralis2rr++
Tortula ruralis2r---
Mittlere Feuchtezahl2,92,83,12,73,1
Artenanzahl Trockniszeiger-14171220

 

2. FeuchtezeigerFeuchtezahlen 5-9Mühlbach VMühlbach RPartenheimer Bach VPartenheimer Bach R
Aloina rigida5-r--
Amblystegium riparium7-r-1
Aphanorrhegma patens7-r--
Brachythecium rivulare7+r-r
Bryum barnesii6r+-r
Bryum bicolor6r+rr
Bryum caespiticium5r-rr
Bryum capillare5r+--
Bryum elegans5---r
Bryum klinggraeffii7-r--
Bryum microerythrocarpum6-r--
Bryum rubens5-r--
Bryum ruderale6-r--
Bryum violaceum6-r-+
Calliergonella cuspidata72212
Cirriphyllum piliferum5-++1
Campylium elodes7---r
Cratoneuron filicinum7--rr
Dicranella howei5-1-+
Dicranella varia7-+--
Didymodon tophaceus712++
Ditrichum cylindricum6-r--
Drepanocladus aduncus8---r
Eurhynchium hians52212
Fissidens taxifolius6---r
Funaria hygrometrica6r+--
Marchantia polymorpha6-r--
Phascum floerkeanum6-r--
Platyhypnidium riparioides8rrr-
Pohlia melanodon5r-rr
Pottia davaüiana6-r--
Pottia intermedia6-r--
Pottia lanceolata6---r
Thamnobryum alopecurum6-r--
Ulota bruchii5-r--
Mittlere Feuchtezahl6,16,17,76,15,8
Artenanzahl Feuchtezeiger-1122919
Artenanzahl insgesamt-25392139
Rote-Liste-Arten-0515

4.2 Blütenpflanzen der Untersuchungsgebiete
4.2.1 Im Bereich des Mühlbachs

4.2.1.1 Das Renaturierungsgebiet
Mit 172 Arten ist die ca. 20 ha große Fläche reich mit Blütenpflanzen ausgestattet. Die Vielzahl der Arten aus unterschiedlichsten Klassen weist auf die Instabilität der sich neu ansiedelnden Vegetation hin, wobei sich auch invasive Neophyten einnischen konnten. Am häufigsten sind, in nahezu gleichem Umfang, Arten aus den Klassen der Grünland-Gesellschaften (Molinio-Arrhenatheretea), aus zwei- bis mehrjährigen Ru­deralgesellschaften (Artemisietea vulgaris) und aus den europäischen Sommerwäldern und -gebüschen (Querco-Fagetea) vorhanden. Diese Gesellschaften sind auch flächen­mäßig am stärksten vertreten und häufig miteinander verzahnt.

Dominierende Arten der Grünland-Gesellschaften sind die Gräser Arrhenatherum elatius, Lolium perenne und Poa pratensis, sehr selten sind dagegen Caltha palustris, Colchicum autumnale und Silaum silaus. Häufige Vertreter der mehrjährigen Ruderal­gesellschaften sind das sich in Rheinhessen immer stärker einbürgernde Bunias orien­talis und die nitrophilen Galium aparine und Urtica dioica. Gefährdete Arten aus die­ser Klasse treten nicht auf. Arten aus der Klasse der Europäischen Sommerwälder und -gebüsche waren bereits in einem kleinen Wäldchen und auch bachbegleitend vor der Renaturierung vorhanden. Hierzu zählen vor allem Populus x canadensis, Fraxinus ex­celsior und Crataegus monogyna. In der Krautschicht stehen im Wäldchen – allerdings sehr selten – Allium ursinum, Circaea lutetiana und Primula elatior.

Arten aus Ackerunkraut- und Ruderalgesellschaften finden auch noch nach mehr­jähriger Brache geeignete Lebensbedingungen. Mit 22 Arten sind sie stark vertreten. Es dominieren die typischen Ackerunkräuter Alopecurus myosuroides, Stellaria media und Vicia tetrasperma und weisen damit auf die frühere ackerbauliche Nutzung der Flächen hin. Seltene bzw. gefährdete Arten traten nicht auf, sie waren wohl im Samen­potential des Bodens nicht vorhanden oder sind bereits in den ersten Jahren nach der Renaturierung der zunehmenden Konkurrenz durch ausdauernde Arten gewichen. Wie ein Blick auf die Vergleichsfläche zeigt, wird sich die Anzahl der Vertreter dieser Klasse noch erheblich verringern. Auch unter den „Sonstigen Arten“ wird es noch Ver­schiebungen geben. So werden z. B. die annuellen Bromus hordeaceus, Erigeron an­nuus und Picris echioides durch die zunehmende Konkurrenz ausdauernder Arten Le­bensraum verlieren.

Die Klassen der Halbtrockenrasen und Trockenrasen sowie der halbruderalen Quecken-Trockenrasen sind nur durch wenige Arten vertreten. Ihr Vorkommen ist auf ausgesprochen trockene, bachferne Böden beschränkt, die am Mühlbach selten sind. Typische Arten sind z. B. Galium verum, Medicago lupulina und Poa compressa.

Auch die Klassen, die überwiegend aus Feuchtezeigern bestehen, enthalten nur we­nige Arten. Aus der Klasse der Röhrichte und Großseggen-Sümpfe sind vor allem Ty­pha latifolia und Phragmites australis physiognomisch von Bedeutung. Beide bilden, besonders an und in den flachen Teichen, große und dichte Bestände. Lokal fällt bei diesen Arten ein stark reduzierter Wuchs auf, der auf Nährstoffmangel zurückgeführt wird (vgl. Kap. 2.3). Im Mühlbach dominieren streckenweise Veronica baccabunga und Veronica anagallis-aquatica. Sie konkurrieren mit Ranunculus repens um wasser­nahe Standorte. Verzahnt mit Röhrichten treten Vertreter aus Zwergbinsen-Gesell­schaften an Teichufern auf, nämlich Centaurium pulchellum, Samolus valerandi und Juncus sphaerocarpus. S. valerandi hat bereits KORNECK (1984) „zwischen Partenheim und Nieder-Saulheim“ gefunden. Die seltene Kugelfrüchtige Binse (J. sphaerocarpus) ist seit 1965 aus Rheinhessen bekannt (OESAU 1972). Danach kam noch eine Vielzahl von Fundorten hinzu (SCHÖLCH 1973, DECHENT & WEINGART 2002). Der Fundort im Mühlbachtal ist aber offensichtlich noch nicht bekannt. Die Anzahl der bachbegleiten­den Gehölze aus der Klasse der Weidengebüsche und Weidenwälder ist durch An­pflanzungen auf sechs gestiegen. Wie ein Blick auf das Vergleichsgebiet zeigt, dürfte nur Salix alba autochthon sein. Mit Ausnahme von Ranunculus repens und Rumex ob­tusifolius sind Vertreter der Flutrasen und feuchten Weiden (Agrostietea stoloniferae) selten.

4.2.1.1 Das Vergleichsgebiet
Im Vergleichsgebiet fließt der Mühlbach in seinem bis zu 2 m tief gegrabenen Bett nahezu gradlinig seiner Mündung in die Selz zu. Auf seinem Weg begleiten ihn alte An­pflanzungen von Populus x canadensis, Alnus glutinosa und Salix alba. In der dichten Bodenvegetation, die vor allem von Agropyron repens, Arrhenatherum elatius und Ur­tica dioica gebildet wird, steht eine Vielzahl weiterer Gehölze, wie Acer campestre, Prunus spinosa und Rosa canina. Dazu gesellen sich Gartenflüchtlinge aus den nahen Siedlungen, wie Laburnum anagyroides, Rhoicissus rhomboideus oder Rhus typhina. Hygrophile Arten sind selten, neben der bachbegleitenden Phragmites australis sind es wenige Exemplare von Iris pseudacorus und Scrophularia umbrosa. Der zum Vergleich mit dem Renaturierungsgebiet ausgewählte und etwa 1 km lange Streifen längs des Ba­ches ist mit insgesamt 72 Phanerogamen bestanden. In ihrer Existenz gefährdete Arten sind nicht enthalten.

Im Abschnitt 4.2.3.11 sind Vegetationseinheiten aufgelistet, die zwar nur wenige Ar­ten enthalten, aber nicht von geringerer Bedeutung sind. So geben die Lemnetea mi­noris (Wasserlinsen-Gesellschaften) und Potamogetonetea pectinati (Wasserpflanzen-Gesellschaften) Auskunft über die Besiedlung der Bachläufe und Teiche. Es ist zu er­kennen, dass dort drei Kennarten aus diesen Klassen vorkommen und zwar nur in den

renaturierten Abschnitten (Lemna minor, Ceratophyllum demersum, Myriophyllum ver­ticillatum). Das ist einerseits ein Ergebnis der Anlage von Ruhezonen für das fließende Wasser in den Bächen und Teichen, andererseits ist aber auch zu bedenken, dass diese Arten in Zeiten des Trockenfallens der Bäche in den Vergleichsgebieten kaum Überle­benschancen haben.

4.2.2 Im Bereich des Partenheimer Bachs
4.2.2.1 Das Renaturierungsgebiet
Mit 189 Arten ist die Flora etwa mit der gleichen Vielfalt aufgebaut wie das Gebiet des Mühlbachs (172 Arten). Auch die Vegetationseinheiten der Klassen sind vergleich­bar. Der trockene Flügel ist mit Hieracium bauhinii, Salvia pratensis und Sanguisorba minor allerdings etwas reichhaltiger ausgestattet. Diese Arten stehen in einer kleinen farbenprächtigen Glatthaferwiese aus der Klasse der Molinio-Arrhenatheretea. Dort sind neben dem bestandsbildenden Arrhenatherum elatius auch Allium oleraceum, Ga­lium verum, Avena pubescens und Ornithogalum umbellatum zu finden. Das in Rhein­hessen seltene und in ihrer Existenz gefährdete Cirsium tuberosum ist in dieser Gesell­schaft ein Hinweis auf altes Grünland mit einem hohen Grundwasserstand. Arten von Grünland-Gesellschaften sind wesentlich reichhaltiger vertreten als am Mühlbach. Die Ursache dürfte darin liegen, dass es am Partenheimer Bach bereits vor der Renaturie­rung umfangreichere ältere Grünland-Bestände gab, die durch die Renaturierungsar­beiten kaum eine Veränderung erfuhren und deshalb in ihrem ehemaligen Artenbestand weitgehend erhalten blieben.

Weitere Klassen mit Arten einer geringen mittleren Feuchtezahl sind die Agropyre­tea intermedii-repentis und das Stellarietum mediae. Die halbruderalen Quecken-Trockenrasen stehen auf den höchsten und damit trockensten Hängen der Bachaue. Do­minierende Komponenten sind Agropyron repens, Cardaria draba und Poa compressa. Sie werden zum Teil durch jährliche Mahd gepflegt. Da bewirtschaftete Äcker im Re­naturierungsgebiet nicht mehr vorhanden sind, müssen sich Ackerwildkräuter auf Lücken im Grünland beschränken. Dabei handelt es sich vor allem um Bromus sterilis, Lactuca serriola und Stellaria media. Die Populationen der übrigen Arten bestehen meistens nur aus wenigen Exemplaren. Dieses gilt auch für Euphorbia platyphyllos, der einzigen Rote-Liste-Art aus dieser Klasse im Untersuchungsgebiet.

Vertreter aus zwei bis mehrjährigen Ruderalgesellschaften sind vor allem Convolvu­lus sepium und Urtica dioica, die lokal dichte Bestände bilden und auf Nitratreichtum des Bodens hinweisen. Bodenlücken werden durch mehrere Adventivarten genutzt, wie Bunias orientale, Echinops sphaerocephalus und Solidago canadensis. Mit ihnen ver­gesellschaftet – allerdings selten – ist Leonurus cardiaca ssp. villosus (Abb. 5).

Die botanisch wertvollste Vegetationseinheit des Renaturierungsgebietes ist wohl ein Großseggen-Ried. Derartige Biotope sind in Rheinhessen aufgrund von Entwässerung und Umnutzung von Grünland in Ackerland sehr selten geworden. Am Partenheimer Bach blieb im Renaturierungsgebiet eine artenreiche Fläche erhalten. Ihre Vegetation ist vor allem von Carex-Arten aufgebaut, zwischen denen charakteristische Vertreter von Nass-Wiesen stehen. KORNECK (1984) erwähnt ferner Apium nodiflorum von ei­nem „Graben zwischen Partenheim und Stadecken“, der Standort könnte im Renatu­rierungsgebiet gelegen haben.

Arten von Zwergbinsengesellschaften sind, bis auf Juncus bufonius, im Untersu­chungsgebiet nicht vorhanden. Es fehlen die Voraussetzungen für eine dauerhafte An­siedlung. Dagegen sind Arten der Flutrasen und feuchten Weiden häufiger vertreten. Wie schon am Mühlbach, ist Ranunculus repens auch am Partenheimer Bach regelmäßig in Bachnähe zu finden, hin und wieder von Pulicaria dysenterica und den Gräsern Festuca arundinacea und Juncus glaucus begleitet. In unmittelbarer Bachnähe haben sich um­fangreiche und zum Teil sehr dichte Weidengebüsche und Weidenwälder durch Selbst­aussaat entwickelt, in denen die Weidenarten Salix alba, S. purpurea und S. viminalis do­minieren. Mächtige, ca. 60jährige Populus x canadensis markieren den Verlauf des Ba­ches. Die jungen Weidenwälder sind mit größeren Röhrichten verzahnt, die aufgrund ih­rer hohen Konkurrenzkraft meistens nur beim Auslaufen in trockenere Böden Arten wie Carex riparia, Typhoides arundinacea und Typha latifolia zwischen sich dulden.

Mit den Salix- und Populus-Arten sind insgesamt 23 Spezies der mitteleuropäischen Sommerwälder (Querco-Fagetea) vertreten. Das ist eine erhebliche Vielfalt, wobei zu berücksichtigen ist, dass auch Kräuter wie Circaea lutetiana und Ficaria verna zu die­ser Vegetationseinheit zählen.

4.2.2.2 Das Vergleichsgebiet
Das Vergleichsgebiet zum Renaturierungsgebiet am Partenheimer Bach zieht sich an diesem fast schnurgeraden Gewässer bis an den Ortsrand von Stadecken. Es ist mit 8­ 10 m relativ schmal und wird streckenweise regelmäßig gemulcht. Die weitaus häufig­ste Pflanzenart dort ist Urtica dioica. In den gemähten Zonen dominieren Arrhenathe­rum elatius und Agropyron repens. An bemerkenswerten Arten soll Geranium pratense sei erwähnt. Insgesamt besteht die Artenliste aus 75 Spezies. Gefährdete Arten traten nicht auf.

Die bereits im Kapitel 4.2.1.1 erwähnten Arten aus Wasserpflanzengesellschaften fehlen nicht nur im Vergleichsgebiet des Mühlbachs, sondern auch im Vergleichsgebiet des Partenheimer Bachs. Dies dürfte auch in vorliegenden Fall mit dem Fehlen geeig­neter Lebensbedingungen und dem periodischen Trockenfallen des Bachs zusammen­hängen.

4.2.3 Artenlisten
Die in den Renaturierungs- und Vergleichsgebieten festgestellten Arten sind im Fol­genden nach den mittleren Feuchtezahlen der Vegetationseinheiten geordnet. Dabei kann man die in den Abschnitten 4.2.3.1 bis 4.2.3.5 genannten Klassen als „nicht di­rekt vom Wasser abhängige Ökosysteme“ im Sinne der EG-Wasserrahmenrichtlinie be­zeichnen, während die unter 4.2.3.6-4.2.3.10 genannten Klassen „direkt vom Wasser abhängige Ökosysteme“ sind. Es bedeuten: V = Vergleichsgebiet und R = Renaturie­rungsgebiet. Rote-Liste-Arten sind fett hervorgehoben. Die Angabe 0 der Feuchtezah­len bedeutet, dass die Art ein indifferentes Verhalten zeigt.

4.2.3.1 Festuco-Brometea (Arten aus Trocken- und Halbtrockenrasen) 


Feuchtezahlen 1-9Mühlbach
Bedeckungsgrad V
Mühlbach
Bedeckungsgrad R
Partenheimer Bach Bedeckungsgrad VPartenheimer Bach Bedeckungsgrad R
Allium oleraceum3---+
Galium verum4r--r
Hieracium bauhinii3---r
Medicago lupulina4-+r-
Salvia pratensis3---r
Sanguisorba minor3-r-r
Mittlere Feuchtezahl3,34,03,54,03,2
Summe Artenanzahl-1215

4.2.3.2 Agropyretea intermedii-repentis (Halbruderale Quecken-Trockenrasen) 


Feuchtezahlen 1-9Mühlbach
Bedeckungsgrad V
Mühlbach
Bedeckungsgrad R
Partenheimer Bach Bedeckungsgrad VPartenheimer Bach Bedeckungsgrad R
Agropyron repens01212
Bromus inermis4--r-
Cardaria draba3r1r2
Convolvulus arvensis4r+r+
Falcaria vulgaris3---+
Poa compressa3-1-1
Tussilago farfara6-+-r
Mittlere Feuchtezahl3,83,54,03,73,8
Summe Artenanzahl-3546

4.2.3.3 Stellarietea mediae (Arten aus Ackerunkraut- und Ruderalgesellschaften) 


Feuchtezahlen 1-9Mühlbach
Bedeckungsgrad V
Mühlbach
Bedeckungsgrad R
Partenheimer Bach Bedeckungsgrad VPartenheimer Bach Bedeckungsgrad R
Alopecurus myosuroides5-1--
Atriplex hortensis5-r--
Atriplex patula5r+r-
Avena fatua5-+--
Bromus sterilis41212
Capsella bursa-pastoris5-+--
Chenopodium album4-+--
Echinochloa crus-galli5-+--
Euphorbia platyphyllos5---r
Galeopsis tetrahit5--rr
Geranium dissectum5-r-r
Hordeum murinum4---r
Lactuca serriola4-1r1
Lamium purpureum5-r-r
Lepidium campestre4-r--
Myosotis arvensis5-r-r
Raphanus raphanistrum5-r--
Sisymbrium officinale4-+--
Sonchus asper6---+
Stellaria media0-1-+
Tripleurospermum inodorum0-+--
Valerianella locusta5---r
Veronica hederifolia5-+-r
Veronica persica5-r-r
Vicia dasycarpa4-r--
Vicia hirsuta4---r
Vicia sativa0-r-+
Vicia sepium5--rr
Vicia tetrasperma5-1-r
Feuchtezahl4,74,54,04,64,8
Artenanzahl-2225
17

4.2.3.4 Artemisietea vulgaris (Arten aus zwei- bis mehrjährigen Ruderalgesellschaften) 


Feuchtezahlen 1-9Mühlbach
Bedeckungsgrad V
Mühlbach
Bedeckungsgrad R
Partenheimer Bach Bedeckungsgrad VPartenheimer Bach Bedeckungsgrad R
Aegopodium podagraria6---+
Alliaria petiolata5+rr1
Arctium lappa5-r-r
Arctium tomentosum5-r

Armoracia lapathifolia5---r
Artemisia vulgaris6r+rt
Ballota nigra5++r-
Bryonia dioica5rrr+
Bunias orientalis5+2r2
Carduus acanthoides4---r
Carduus crispus6-+r+
Chaerophyllum temulum5+rrr
Chelidonium majus5+rr-
Chrysanthemum vulgare5---+
Cichorium intybus4-+r-
Cirsium vulgare5r+--
Convolvulus sepium6+++2
Dipsacus fullonium6-+-+
Echinops sphaerocephalus4rr-1
Epilobium hirsutum8r+r1
Epilobium parviflorum9-+-+
Eupatorium cannabinum7---r
Galium aparine0r2r+
Geranium robertianum0--r+
Geum urbanum5rr1r
Glechoma hederacea6r+rr
Lamium album5-rr+
Lapsana communis5r+-r
Leonurus cardiaca5---r
Linaria vulgaris4rrr+
Malva alcea5---r
Melilotus alba3-+-r
Melilotus officinalis3-r-t
Picris hieracioides4-r-r
Rubus caesius0-r1+
Silene latifolia4rrr+
Solidago canadensis0---1
Solidago gigantea6---r
Urtica dioica61113
Viola odorata5-r--
Mittlere Feuchtezahl5,25,25,25,34,8
Summe Artenanzahl-19292034

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 3: Leonurus cardiaca ssp. villosus im Renaturierungsgebiet des Partenheimer Bachs.  

 

4.2.3.5 Querco-Fagetea (Arten der europäischen Sommerwälder und -gebüsche) 


Feuchtezahlen 1-9Mühlbach
Bedeckungsgrad V 
Mühlbach
Bedeckungsgrad R 
Partenheimer Bach Bedeckungsgrad VPartenheimer Bach Bedeckungsgrad R
Acer campestre5rr-1
Acer platanoides0rr+r
Acer pseudo-platanus6rr+2
Allium ursinum6-r--
Brachypodium sylvaticum5-1--
Carex pendula8-r--
Carex sylvatica5-r--
Carpinus betulus0--2r
Circaea lutetiana6-r-+
Clematis vitalba5--++
Cornus sanguinea5-rrr
Corylus avellana0-rrr
Crataegus laevigata5r---
Crataegus monogyna4rr+r
Evonymus europaea5rr-r
Ficaria verna6r1r+
Fraxinus excelsior0r+++
Hedera helix5+r--
Humulus lupulus8rr--
Juglans regia6rrrr
Laburnum anagyroides3---r
Lamium galeobdolon5-r--
Ligustrum vulgare4rrrr
Lonicera xylosteum5r-r-
Lysimachia nemorum7---+
Primula elatior6-r--
Prunus avium5rrrr
Prunus mahaleb3rr-r
Prunus spinosa4+++-
Quercus petraea5r---
Quercus robur0rrrr
Ribes rubrum8-+--
Rosa canina4rrrr
Rubus idaeus0---r
Scrophularia nodosa6rr--
Sorbus aria4r---
Sorbus aucuparia0r---
Tilia platyphyllos6---r
Viburnum lantana4-r--
Viburnum opulus0-r-r
Vinca minor5-+--
Feuchtezahl5,54,95,35,85,3
Artenanzahl-21301624

 

4.2.3.6 Molinio-Arrhenatheretea (Arten von Grünland-Gesellschaften) 


Feuchtezahlen 1-9Mühlbach
Bedeckungsgrad V
Mühlbach
Bedeckungsgrad R
Partenheimer Bach Bedeckungsgrad VPartenheimer Bach Bedeckungsgrad R
Achillea millefolium4r+r+
Alopecurus pratensis6-+-+
Anthriscus sylvestris5-+rr
Arrhenatherum elatius02213
Bellis perennis5-r-r
Caltha palustris9-r--
Carex tomentosa7---1
Centaurea jacea5-r-+
Cerastium holosteoides5-r+r
Chrysanthemum leucanthemum4-r-r
Cirsium tuberosum6---r
Colchicum autumnalis6-r-r
Crepis biennis6-r--
Crepis capillaris5r+rr
Dactylis glomerata5+1+1
Daucus carota4+1r+
Festuca pratensis6+1r1
Filipendula ulmaria8--r+
Galium album5-rr+
Geranium pratense5--rr
Helictotrichon pubescens3---r
Heracleum sphondylium5r++r
Holcus lanatus6---+
Lathyrus pratensis6+r+r
Lolium perenne5+3+1
Lychnis flos-cuculi7---r
Lythrum salicaria8r+-r
Ornithogalum umbellatum5---r
Phleum pratense5+r++
Plantago lanceolata0-r-+
Poa pratensis5-1+1
Poa trivialis7+1+1
Primula veris4---r
Ranunculus acris6---r
Rumex acetosa0---r
Sanguisorba officinalis6--rr
Scirpus sylvaticus8---r
Senecio jacobaea4-+-+
Silaum silaus0-r-r
Stachys palustris7---r
Taraxacum officinale5-1--
Tragopogon pratensis5---r
Trifolium dubium4-+-r
Trifolium pratense5-+++
Trifolium repens5r+r+
Valeriana officinalis8-+rr
Mittlere Feuchtezahl5,65,45,65,05,1
Summe Artenanzahl-11312142

4.2.3.7 Agrostietea stoloniferae (Arten der Flutrasen und feuchten Weiden) 


Feuchtezahlen 1-9Mühlbach
Bedeckungsgrad V
Mühlbach
Bedeckungsgrad R
Partenheimer Bach Bedeckungsgrad VPartenheimer Bach Bedeckungsgrad R
Agrostis stolonifera7---+
Carex hirta6---+
Festuca arundinacea7r+-+
Juncus inflexus7-r-r
Lysimachia nummularia6-+-r
Plantago intermedia7-+--
Potentilla anserina6-r++
Potentilla reptans6r+r+
Pulicaria dysenterica7---r
Ranunculus repens7+2+1
Rumex crispus7---+
Rumex obtusifolius6-1-+
Mittlere Feuchtezahl6,66,76,56,36,8
Summe Artenanzahl-38311

 

4.2.3.8 Iso¨eto-Nanojuncetea (Arten von Zwergbinsen-Gesellschaften) 


Feuchtezahlen 1-9Mühlbach
Bedeckungsgrad V
Mühlbach
Bedeckungsgrad R
Partenheimer Bach Bedeckungsgrad VPartenheimer Bach Bedeckungsgrad R
Centaurium pulchellum7-r--
Juncus bufonius7-r-r
Juncus sphaerocarpus8-r--
Samolus valerandi8
r--
Mittlere Feuchtezahl7,507,507,0
Artenanzahl-0401

4.2.3.9 Salicetea purpureae (Arten der Weidengebüsche und Weidenwälder) 


Feuchtezahlen 1-9Mühlbach
Bedeckungsgrad V
Mühlbach
Bedeckungsgrad R
Partenheimer Bach Bedeckungsgrad VPartenheimer Bach Bedeckungsgrad R
Populus alba gepfl.7-r-r
Populus x canadensis8+++1
Salix alba8-++2
Salix fragilis82+r+
Salix purpurea0-+r1
Salix viminalis8-+-+
Feuchtezahl7,88,07,88,07,8
Artenanzahl-2646

4.2.3.10 Phragmitetea (Röhrichte und Großseggen-Sümpfe) 


Feuchtezahlen 1-9Mühlbach
Bedeckungsgrad V
Mühlbach
Bedeckungsgrad R
Partenheimer Bach Bedeckungsgrad VPartenheimer Bach Bedeckungsgrad R
Alisma plantago-aquatica10-r--
Apium nodiflorum10-r--
Berula erecta10-r--
Carex vulpina8-r-r
Carex riparia9-+11
Glyceria maxima10---r
Hippuris vulgaris10---r
Iris pseudacorus9rr-r
Lycopus europaeus9-1-+
Mentha aquatica9---+
Phragmites australis101223
Scrophularia umbrosa9rr--
Typha angustifolia10---r
Typha latifolia10-2-1
Typhoides arundinacea8-1+1
Veronica anagallis-aquatica9-2--
Veronica beccabunga10-2-r
Mittlere Feuchtezahl9,49,09,29,09,3
Artenanzahl-313312

4.2.3.11 Weitere Klassenarten 


Feuchtezahlen 1-9Mühlbach
Bedeckungsgrad V
Mühlbach
Bedeckungsgrad R
Partenheimer Bach Bedeckungsgrad VPartenheimer Bach Bedeckungsgrad R
Alnetea glutinosae: Alnus glutinosa9+2+2
Bidentetea:Ranunculus sceleratus9-1--
Epilobietea: Salix caprea6rr-r
Lemnetea: Lemna minor11-1-r
Plantaginetea: Poa annua 6-+--
Polygonum aviculare4r+rr
Potamogetonetea: Ceratophyllum demersum12-r--
Myriophyllum verticillatum12-r--
Sedo-Scleranthetea: Trifolium campestre4-r--

4.2.3.12 Sonstige Arten 


Feuchtezahlen 1-9Mühlbach
Bedeckungsgrad V
Mühlbach
Bedeckungsgrad R
Partenheimer Bach Bedeckungsgrad VPartenheimer Bach Bedeckungsgrad R
Acer negundo6--r-
Ajuga reptans6---+
Asparagus officinalis3--rr
Bromus hordeaceus0-1-+
Cardamine pratensis6---r
Carex acutiformis9---1
Carex flacca6-r-r
Carex leporina7---r
Carex muricata4-r-r
Carex panicea8---+
Cirsium arvense0-1+2
Crepis taraxacifolia4-r--
Epilobium lamyi5---+
Epilobium tetragonum8-+-+
Equisetum arvense02+++
Erigeron annuus6-+-r
Forsythia vulgaris0---r
Heracleum mantegazzianum6---r
Impatiens glandulifera8r+--
Juncus articulatus9---r
Lysimachia vulgaris8--r-
Mahonia aquifolium0--r-
Medicago sativa4-1-+
Melissa officinalis0---r
Pastinaca sativa4-+-+
Physocarpus opulifolius0---r
Phytolacca esculenta0---r
Picea abies0---r
Picris echioides5-r-
Polygonum amphibium var. terrestre0rrrr
Polygonum cuspidatum8-r--
Prunus domestica0---+
Prunus insititia01+--
Prunus serotina5---r
Pyrus communis5-r--
Ranunculus auricomus0rr-r
Rhoicissus rhomboideus0r---
Rhus typhina0r---
Robinia pseudacacia4-r--
Rosa pimpinellifolia4-r--
Rubus fruticosus0-+-2
Sambucus nigra5+-++
Senecio erucifolius3rr-1
Symphytum officinale7---r
Syringa vulgaris gepfl.0-r-r
Vicia sepium5r1--
Mittlere Feuchtezahl5,85,85,25,55,8
Artenanzahl-1023932

In den beiden untersuchten Renaturierungsgebieten liegt zur Zeit eine erhebliche Ar­tenvielfalt vor. Dies kommt vor allem dann zum Ausdruck, wenn man die renaturierten mit den nicht renaturierten Gebieten vergleicht. Besonders gravierend sind diese Un­terschiede bei den Artenanzahlen derjenigen Klassen, die vom Wasser der Bäche ab­hängig sind. Es ist ferner von Bedeutung, dass Rote-Liste-Arten praktisch nur in den Renaturierungsgebieten zu finden sind (Tab. 3).

Tab. 3: Artenanzahl in Abhängigkeit von Vegetationseinheiten in den Untersuchungsgebieten (R = Renaturierungsgebiet, V = Vergleichsgebiet).  

 

Nicht vom Wasser der Bäche abhängige Blütenpflanzen in Klassen bzw. Moose der Feuchtezahlen 1-4Gebiet am
Mühlbach V
Gebiet am
Mühlbach R
Gebiet am
Partenheimer Bach V
Gebiet am
Partenheimer Bach R
1. Festuco-Brometea2151
2. Agropyretea intermedii-repentis2364
3. Stellarietea mediae222175
4. Artemisietea vulgaris29193420
5. Querco-Fagetea30212416
Summe der Artenanzahl88468646
Rote-Liste-Arten(Phanerogamen und Kryptogamen)2031
Vom Wasser der Bäche abhängige Blütenpflanzen in Klassen bzw. Moose der Feuchtezahlen 5-9



6. Molinio-Arrhenatheretea31114221
7. Sonstige Arten239329
8. Agrostietea stoloniferae83113
9. Isoëto-Nanojuncetea4010
10. Salicetea purpureae6264
11. Phragmitetea132123
Summe der Artenanzahl852710440
Rote-Liste-Arten(Phanerogamen und Kryptogamen)6030
Summe der Artenanzahl insgesamt1737319086
Summe der Rote-Liste-Arten8061

5 Diskussion
Wenn man die Effizienz der Renaturierungsarbeiten 5-8 Jahre nach ihrer Umsetzung bewertet, so ist zu bedenken, dass dieser Zeitraum sehr kurz ist. Wachstum und Suk­zession sind Prozesse, die Zeit benötigen. Eine Schlussgesellschaft dürfte – wenn über­haupt – erst in vielen Jahren erreicht sein. Allerdings vollzieht sich die Besiedlung in Zukunft nur noch in kleinen Schritten, und die Tendenz der Entwicklung zu einer na­turnahen Auenvegetation ist bereits erkennbar.

Renaturierungsgebiete sollen gute Voraussetzungen für anspruchsvolle Lebensge­meinschaften schaffen. JÄHNIG, SOMMERHÄUSER & HERING (2011) fragen, wie man den Erfolg messen soll, und sehen in der Neubesiedlung und Etablierung von Populationen anspruchsvoller Arten entscheidende Kriterien. Doch dies setzt voraus, dass Besied­lungsquellen anspruchsvoller Arten in der Nähe vorhanden sind und sie sich in das Re­naturierungsgebiet ausbreiten können. Das ist jedoch in der intensiv bewirtschafteten Kulturlandschaft Rheinhessens schwer denkbar. Eine Ausnahme macht z. B. die Groß­seggenwiese am Partenheimer Bach. Sie war bereits vor der Renaturierung vorhanden blieb während der Ausbaumaßnahmen verschont und erhält nach deren Beendigung eine sachgerechte Pflege. Man kann das Gebiet als Ausgangspunkt anspruchsvoller Ar­ten betrachten.

Zur Bemessung der Effektivität der Renaturierungsmaßnahmen diente in der vorlie­genden Arbeit der Weg über Vegetationseinheiten nach pflanzensoziologischen Krite­rien. Die soziologische Bindung der Arten ließ sich OBERDORFER (1990) entnehmen, die Zuordnung zu Feuchtezahlen ELLENBERG (2001). Wenn die EG-WRRL eine „mess­bare Verbesserung der Lebensgemeinschaften in Binnengewässern“ fordert, ist dieses mit den gewählten Kriterien darstellbar. So belegen die Untersuchungen eine deutliche Verbesserung des Makrophytenbestandes. Während auf den nicht renaturierten Bach­streifen im Mittel der beiden untersuchten Gebiete 80 Blütenpflanzen-Arten stehen, sind es nach der Renaturierung 181.

Versteht man unter „anspruchsvollen“ Spezies Rote-Liste-Arten, so demonstrieren auch diese eine messbare Verbesserung der Lebensgemeinschaften. Während in den Vergleichsgebieten nur eine gefährdete Moosart stand, waren es in den Renaturie­rungsgebieten zehn. Von gefährdeten Blütenpflanzen wuchsen in den Renaturierungs­gebieten im Mittel zwei Arten, in den Vergleichsgebieten wuchs keine.

Eine weitere Bewertung des Erfolges der Renaturierungsmaßnahmen ist in Rhein­land-Pfalz in der Zuordnung der Pflanzengesellschaften zu Biotoptypen und ihrem Schutzstatus nach § 24 LPflG (LANDESAMT FÜR UMWELTSCHUTZ UND GEWERBEAUF­SICHT 1994) zu sehen. In der Tab. 4 sind die gesetzlich geschützten Biotoptypen der Un­tersuchungsgebiete aufgelistet.

Die Tab. 4 zeigt, dass mit einem Schutzstatus versehene Biotoptypen nur in den re­naturierten Gebieten auftreten. Allerdings sind nur die für den Mühlbach genannten 

 

Tab. 4: Biotoptypen der Renaturierungsgebiete mit einem Schutzstatus nach § 24 LPflG. 

BiotoptypMühlbach VMühlbach RPartenheimer Bach VPartenheimer Bach R
Zwergbinsen-Uferpionier- Gesellschaften (Cyperetalia fusci)-vorhanden--
Großröhrichte und Schilwiesen (Phragmition)-vorhanden-vorhanden
Großseggenriede und -wiesen (Magnocaricion)---vorhanden
Magere und trockene Ausbildungen von Glatthaferwiesen (Arrhenatherion elatioris)---vorhanden

Biotoptypen ein direktes Ergebnis der Renaturierung, während diejenigen am Parten­heimer Bach bereits vor der Renaturierung vorhanden waren. Sie erhielten während der Ausbaumaßnahmen einen besonderen Schutz und danach eine gezielte Pflege. Diese seltenen Lebensstätten bleiben dadurch erhalten, werden in ihrer Entwicklung geför­dert und können als Quelle für Wiederbesiedlungen dienen. Daraus wird deutlich, dass die Stärke der Renaturierungseffekte auch von dem bereits vorhandenen und übernom­menen Arteninventar beeinflusst wird. Untersuchungen in den Folgejahren werden zei­gen, inwieweit die Artenvielfalt der krautigen Vegetation im Hinblick auf die zuneh­mende Konkurrenz durch Bäume und Sträucher erhalten bleibt.

6 Dank
Herrn Dr. L. MEINUNGER, Ludwigsstadt-Ebersdorf, gilt herzlicher Dank für die Be­stimmung von Campylium elodes und für Hinweise zum Vorkommen dieser Art in Rheinland-Pfalz. Frau D. SCHMITT-THOMAS, Verbandsgemeinde Wörrstadt, verdankt der Verfasser wertvolle Informationen zur Anlage und Durchführung der Renaturie­rungmaßnahmen.

7 Literatur
BRAUN-BLANQUET, J. (1964): Pflanzensoziologie. Grundzüge der Vegetationskunde. – 3. Aufl., 865 S., Wien – New York.

BUNDESMINISTERIUM FÜR UMWELT UND REAKTORSICHERHEIT (2011): EG-Wasserrah­menrichtlinie Nr. 2000/60/EG. – http: www.bmn.de/binnengewässer/downloads.

DECHENT, H.-J. & C. WEINGART (2002): Zum Vorkommen der Kugelfrüchtigen Binse (Juncus sphaerocarpus NEES) in Rheinhessen. – Hessische Floristische Briefe 51 (1): 1-10. Darmstadt.

DÜLL, R. (1995): Moosflora der nördlichen Eifel. – 236 S., Bad Münstereifel.
– (2001): Zeigerwerte von Laub- und Lebermoosen. – In: ELLENBERG, H., WEBER, H. E., DÜLL, R., WIRTH, V. & W. WERNER: Zeigerwerte von Pflanzen in Mitteleuropa. – Scripta Geobotanica XVIII, 3. Aufl., 175-220. Göttingen.

ELLENBERG, J. (2001): Zeigerwerte der Gefäßpflanzen (ohne Rubus). – In: ELLENBERG, H., WEBER, H. E., DÜLL, R., WIRTH, V. & W. WERNER: Zeigerwerte von Pflanzen in Mitteleuropa. – Scripta Geobotanica XVIII, 3. Aufl., 9-166. Göttingen.

JÄHNIG, S. C., SOMMERHÄUSER, M. & D. HERING (2011): Fließgewässer-Renaturierung heute: Zielsetzungen, Methodik und Effizienzkontrolle. – Limnologie aktuell 13: 1­ 6. Stuttgart.

KOPERSKI, M., SAUER, M., BRAUN, W. & S. R. GRADSTEIN (2000): Referenzliste der Moose Deutschlands. – Schriftenreihe für Vegetationskunde, H. 34: 1-519. Bonn.

KORNECK, D. (1984): Floristische Beobachtungen im Rhein-Main-Gebiet. 3. Folge. – Hessische Floristische Briefe 33 (3): 34-42. Darmstadt.

KULTURAMT WORMS (1997): Zukunftsweisende Strukturen für das Selztal. – 6 S., Falt­blatt, Worms.

LANDESAMT FÜR UMWELT UND GEWERBEAUFSICHT (1994): Liste der Pflanzengesell­schaften von Rheinland-Pfalz mit Zuordnung zu Biotoptypen und Angaben zum Schutzstatus nach § 24 LPlG. – 4. Fassung, 136 S., Oppenheim.

LUDWIG, G., DÜLL, R., PHILIPPI, G., AHRENS, M., CASPARI, S., KOPERSKI, M., LÜTT, S., SCHULZ, F. & G. SCHWAB (1996): Rote Liste der Moose (Anthocerophyta et Bryo­phyta) Deutschlands. – Schriftenreihe für Vegetationskunde, H. 28: 189-306. Bonn.

MEINUNGER, L. & W. SCHRÖDER (2007): Verbreitungsatlas der Moose Deutschlands. – Herausgegeben von O. DÜRHAMMER für die Regensburgische Botanische Gesell­schaft, Bd. 3, 709 S., Regensburg.

MINISTERIUM FÜR UMWELT UND FORSTEN (Hrsg.) (2000): Gewässergütebericht für die Fließgewässer in Rheinland-Pfalz. – 103 S., Mainz.

NEBEL, M. & G. PHILIPPI (Hrsg.) (2001): Die Moose Baden-Württembergs. Bd. 2. – 529 S., Stuttgart.

NN (2008): Renaturierung am Mühlbach. – Nachrichtenblatt 41: 1. Wörrstadt.

OESAU, A. (1972): Juncus sphaerocarpus NEES bei Guntersblum/Rheinhessen und

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SENGHAS, K. & S. SEYBOLD (2003): Flora von Deutschland und angrenzender Länder. – 92. Auflage, 864 S., Wiebelsheim.

 
Manuskript eingereicht am 16. April 2012.

Anschrift des Verfassers:

Albert OESAU, Auf dem Höchsten 19, D-55270 Ober-Olm
E-Mail: Albert.Oesau@t-online.de
 

 

Kontakt:

<vsapa@t-online.de>